Bernauer Heerweg

Selbstversorger Bikepacking Abenteuer am 12./13. September 2020 entlang des mittelalterlichen Bernauer Heerwegs von der Zitadelle Spandau in Berlin bis zum Ostseehafen Stettins

Das Abenteuer erkundet die aufs Mittelalter zurückgehende Verbindung Berlins in den Barnim und weiter bis zur Ostsee. Die Strecke führt bei einer Gesamtlänge von ca. 240km und 1200 Höhenmetern durch die Eiszeitlandschaft des Oderbruchs bis zum Stettiner Haff. Sie ist nahezu asphaltfrei und passiert viele Natur- und Kulturdenkmäler wie die Festung Oderberg, den Stolper Turm oder den Krzywy Las (Krummer Wald). Das Abenteuer lässt sich wahlweise als entspannte Etappenfahrt über zwei Tage, oder als anspruchsvoller Gelände-Brevet für Fortgeschrittene in einem Zug absolvieren. Wer mag, kann zudem auf einem ‚hidden Bonustrack‘ per Rad zurückfahren.

Ihr wandelt dabei auf den Spuren der wechselvollen Geschichte einer der ältesten Straßen Brandenburgs: einerseits nutzten ihn Pilger und Handelstreibende, über ihn gelangte z.B. das Bernauer Bier nach Berlin. Anderseits zogen einst die Heerscharen des Mittelalters und später Napoleon auf seinem Russlandfeldzug über ihn; noch während des zweiten Weltkiegs wurde er militärisch genutzt. Gerade die militärische Vergangenheit des Weges und zuletzt die Corona-Grenzschließungen führen uns allen den großen Wert eines Europas der offenen Grenzen vor Augen.

Wir möchten deshalb dazu einladen den historische Weg unter diesen neuen Vorzeichen als Verbindung der polnisch-deutschen Oderbruchlandschaft neu zu entdecken. Gleichzeitig macht die Straße die wechselseitigen alten Verbindungen zwischen der Metropole Berlin und ihrem regionalen Barnimer Umland erlebbar.

Werbefrei und non profit – von der Community, für die Community!

Anmeldung/ Interessentenliste

Vorherige Anmeldung unter vollem Namen über das unten stehende Formular ist obligatorisch! Die Anmeldegebühr beträgt 5€ und enthält ein kleines Frühstücksbüffett am Start. Die Anzahl der Plätze ist liminitiert.

Ticket

Was Euch erwartet: einige Eindrücke von der Strecke

Streckeninformationen

Datum: 12. – 13.September.2020
Dauer: 1-2 Tage
zusätzlicher Tag bei Rückfahrt
Länge: 243km
Offroad: 85%
Schwierigkeit: 4/10
Kondition: 7/10
Loser Untergrund: 71,7 km
Naturbelassen: 34,1 km
Kies: 21,9 km
Befestigter Weg: 58,9 km
Asphalt: 47,3 km
Unbekannt: 9,57 km
alle Daten wurde aus Openstreetmaps ausgelesen! Kein Gewähr für tatsächliche Angabe!

Bergauf 1300m                             Bergab 1320m

Die Bernauer Heerstraße bei Schönholz

Alte Straßen als neue Wege fürs Bikepacking

Überall in Europas Wäldern und Feldern schlummern malerische alte Straßen. Angelegt wurden sie teils bereits von den Römern. Sie dienten einstmals als Wege für Pilger, oder waren Post-, Handels- oder Militärstraßen. Diese Straßen waren einmal lebendige Verbindungen zwischen Orten. Mit dem Bau von Bahn- und Autoinfrastruktur verloren sie jedoch ihre Funktion. Nun warten sie darauf wiederentdeckt zu werden.

Auf geschmeidigen Breitreifen sind diese verwunschenen alten Wege oft eine wunderbare Möglichkeit, in den Spuren der Geschichte über große Distanzen und fern von Autos zu reisen.

Der Bernauer Heerweg ist eine dieser alten Straßen. Wir haben ihren Verlauf zwischen der Burg (später Zitadelle) Spandau und dem Stettiner Hafen in detektivischer Kleinarbeit, mit Hilfe der Fachliteratur, georeferenzierter alter Karten und Überlieferungen rekonstruiert. Erkunde ihn nun mit uns!

Die Geschichte der Heerstraße

Die Bernauer Heerstraße verband im Mittelalter die Burg Spandau mit der Stadt Bernau und den Burgen des Barnims sowie dem Ostseehafen Stettins. Berlins Stadtgründung dagegen datiert erst später.

Die Heerstraße war seit dem 13. Jahrundert darauf ausgelegt, dass berittene Heerscharen auf ihr Tagesetappen von ca. 40km zurücklegen konnten. Die Stadt Bernau entstand überhaupt erst als Etappenstandort: hier konnten Pferde ausruhen, gefüttert und getränkt werden. Handelstreibende, Pilger und Postkutschen nutzten diesen Weg und über ihn gelangte später das Bernauer Bier nach Berlin. Die Entstehung der Straße ist im Kontext der hochmittelalterlichen Einwanderung deutschsprachiger Siedler in die östlichen Randgebiete des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, der sogenannten Ostsiedlung, zu sehen. Teilweise handelte es sich hierbei um eine gewaltsame Missionierung vormals vorwiegend slawisch und baltisch bewohnter Gebiete, teilweise um eine friedliche Besiedlung, was die Übernahme von Infra- und Rechtstrukturen des Reichs beinhaltete.

Die Landnahme wurde dabei besonders vom Geschlecht der Askanier und Albrecht dem Bären vorangetrieben, der sich ab diesem Zeitpunkt 'Markgraf von Brandenburg' nannte. Ausgangspunkt seiner Feldzüge war die Burg Spandau. Sein strategisches Ziel war die Odermündung. Diese war nicht nur militärisch interessant, sondern erschloss vor allem den einträglichen Ostseehandel rund um die Hansestadt Stettin. Der Bernauer Heerweg verband beide Punkte miteinander. Burgen wie in Biesenthal sicherten zudem das Einflussgebiet.

Die Strecke ist insgesamt weniger technisch und sehr gut fahrbar. Den Heerweg zu fahren fühlt sich beinahe an wie Rennradfahren, nur eben auf anderem Untergrund und mit breiten Reifen. Die Fotos und das Video auf dieser Seite vermitteln hiervon einen guten Eindruck. Die Schwierigkeit variiert Ihr durch die von Euch gewählte Geschwindigkeit und Etappenlänge selbst. Lediglich die teils nicht unerheblichen Höhenmeter im Oderbruch und vor Stettin müsst Ihr bewältigen können. Es gibt ansonsten eigentlich nur einen einzigen idyllischen und einfachen Singletrail auf der Höhe von Stolpe und einige Pavés im Oderbruch.

Man sollte aber auch keine falsche Erwartungen haben: Straßen waren vor der Motorisierung in den 1920er/1930er Jahren nicht asphaltiert. Im Mittelalter handelte es sich teils nur um schmale Pfade. Nach Regen oder bei Dürre waren teils sechs Pferde nötig um Postkutschen durch Schlamm oder losen Sand zu ziehen. Es kann daher stellenweise also auch mal ruckeln oder sandig werden. Aber Ihr seid ja keine Prinzesschen auf der Erbse.

Essen/Trinken

  • Ihr passiert in regelmäßigen Abständen Orte, an denen Ihr Euch verproviantieren könnt, unsere Routen enthalten hierzu beeits Hinweise.
  • Um einen Supermarkteinkauf auf den letzten Meter zu transportieren, sind kleine Faltrucksäcke nützlich.
  • Denkt bitte an Gels/Riegel/Zucker/Elektrolyte (Kochsalz oder Fertigmischungen)!
  • Es wird voraussichtlich heiß und trocken. Nutzt daher die zusätzlichen Montagepositionen für dritte und vierte Flaschenhalter, die inzwischen viele Rahmen bieten! Sollte Euer Rahmen diese nicht aufweisen, gibt es Adapterlösungen, auch könnt Ihr Faltflaschen und Trinkbeutel nutzen.

Selbstversorger

Es handelt sich um eine Selbstversorger-Fahrt, d.h. wir stellen die Navigationsdaten und den Rahmen bereit, aber die Veranstaltung lebt von Eurer Mitwirkung. Es handelt sich um keine organisierte Reise oder Dienstleitung. Es geht darum eine gute Zeit auf dem Rad zu verbringen, ohne aufgezwungenen Konkurrenzdruck, Machotum und blöde Sprüche.

Ihr solltest mitbringen:

  • Spaß
  • Helm ist obligatorisch
  • GPS-Gerät um dem Track folgen zu können
  • mindestens 32mm Reifenbreite, besser um die 40mm
  • Übernachtungsgepäck, möglichst in Bikepackingtaschen verstaut. Klassische Packtaschen eigenen sich nicht für diese Geländetour.
  • Licht, möglichst Kopf- und Radlampen
  • Zwei Ersatzschläuche, Pumpe, Schlauch- und Mantelflicken
  • Ersatz-Schaltauge für Euer Rad
  • Neben Gravelgrinder*innen und Cyclocrosser*innen sind natürlich auch MTBer*innen willkommen.

Literatur

Bildnachweis

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