Bikepacking Sweet16 – Teil 4: Finale nach Berlin

Bikepacking Sweet16 – Teil 4: Finale nach Berlin

Weiter geht es mit meinem Bericht zum Bikepacking Adventure Sweet16, die vorherigen Teile kann man hier lesen:

Tag 10: Büchen – Dömitz – Perleberg – Kyritz – Neuruppin – Berlin

334,6 km / 800 hm

Es ist so gut wie klar, dass ich die Sweet16 heute erfolgreich beenden werde, es sind noch gut 300 km bis Berlin, aber auch die werden noch einmal hart werden. Frühstück gibt es heute in Büchen, der erste Bäcker in zehn Tagen der wegen Corona keine Stühle und Tische draußen hatte, also habe ich es mir am Elbe-Lübeck-Kanal bequem gemacht.

Heute geht es lange Passagen am Elbdeich entlang, die Sonne brennt und Schatten gibt es hier so gut wie gar nicht. Die Hitze macht mir ganz schön zu schaffen, zudem auch noch Gegenwind, in Dömitz mache ich am Vormittag bereits die nächste Pause. Die Eisdiele hat zwar schon geöffnet, aber leider ist niemand anwesend, also nehme ich einen großen Salat von gegenüber. Am Nachbartisch sitzt ein Pärchen mit überdimensionalen E-MTBs, zwei Akkus und vier Trinkflaschen je Rad? Zusammen bringen Paar und Vehikel bestimmt 300 kg auf die Waage.

ein Fahrrad-SUV?

Am frühen Nachmittag lege ich wieder einen kurzen Badestopp ein. Ich frage mich, ob man wegen der Strömung in der Elbe baden darf / sollte, auch weil ich den ganzen Tag keine Badenden in der Elbe sehe. Bevorzuge daher einen kleinen Nebenarm der Elbe bei Lenzen.

Abkühlung an der Elbe

Kurz vor Kyritz ziehen dunkle Gewitterwolken am Horizont auf, der Wind frischt ordentlich auf und bläst direkt von vorne. Ich stelle mich kurz unter, in der Annahme dass gleich der Wolkenbruch beginnt. Die Gewitterfront zieht aber nördlich vorbei, lediglich ein paar Tropfen erreichen mich.

Gewitterwolken vor Kyritz

In Kyritz dann nochmal Stopp beim Dönermann und zum ersten Mal auf dieser Tour gibt es auch einen Dönerteller 🙂 Kurz danach passiere ich mal wieder Bantikow, wo wir dieses Jahr eine Woche auf dem Zeltplatz waren. In Neuruppin ein letzter Tankstellenstopp und ausreichend Zuckerhaltiges gekauft, um mir die letzten Kilometer nach Berlin etwas zu versüßen. Es kommen wieder Erinnerungen an den Hansebrevet in 2016 hoch, damals war das auch der Schlussabschnitt.

Es wird bereits dunkel und ich frage mich mal wieder, warum manche Autofahrer gegenüber Radfahrern nicht abblenden. Sind wir keine Verkehrsteilnehmer? Demnächst nehme ich mir auch so eine Lampe mit Fernlichtfunktion mit.

Oranienburg ist schneller erreicht als gedacht und auch bald die Stadtgrenze von Berlin. Irgendwie läuft das Rad nicht mehr so geschmeidig, ich halte noch mal an und überprüfe den Antrieb. Ist aber alles in Ordnung, bin dann doch wohl eher ich oder der etwas verschlissene Antrieb nach 3.000 km. Schon in den letzten Tagen musste ich mehr als einmal am Tag nachfetten.

GESCHAFFT – letzter Checkpoint – mission completed

Es ist nicht mehr weit, noch um ein paar Ecken in Mitte und da ist es erreicht, das Brandenburger Tor, der letzte Checkpoint auf meiner Route 🙂 Nun noch schnell nach Hause gerollt, damit sich die Route vollends schließt. Den ganzen Tag habe ich mich schon auf die drei Mooser Liesls gefreut, die ich vor meiner Abfahrt in den Kühlschrank gelegt hatte. Aber zu Hause angekommen, das böse Erwachen.

Mein Sohn hatte sich während meiner Abwesenheit bei mir einquartiert, den ganzen Kasten ausgetrunken und kein neues Bier gekauft bzw. in den Kühlschrank gelegt. Boah, das gibt morgen richtig Ärger, so etwas darf man einem Radfahrer doch nicht antun. Zum Glück habe ich drei Spätis in 200m Umkreis, also nochmal kurz raus, der Abend war gerettet.

Fazit

Warum bin ich bei dir Sweet16 gestartet / was hat mich dazu motiviert?

Superbrevets bis 1.400 km bin ich jetzt schon einige gefahren, konnte diese alle finishen, somit war klar, eine nächste Herausforderung musste her. Zudem steht das TCR mit über 3.000 km auch noch auf meiner Bucket Liste, also ein zusätzlicher Grund diese Distanz einmal anzutesten. In diesem Jahr wäre Lenght of Sweden mit 2.200 km eigentlich mein Highlight geworden, leider wurde der Event wegen Corona auf 2021 verschoben. Da passte es gut, dass Mark Humme die Sweet16 bereits in 2019 über den Transcimbrica Kanal angekündigt hatte. Lange nachgedacht habe ich eigentlich nicht, meine Anmeldung war kurz danach abgeschickt.

Zitat aus meiner Anmeldung: Warum willst du dabei sein? – Ich fahre gerne lange, gerne Offroad, gerne nachts und schlafe gerne draußen

Wird dir nicht langweilig, wenn du den ganzen Tag nur auf dem Rad sitzt?

Komischerweise überhaupt nicht, eigentlich gibt es ständig was zu tun, außer zu treten 😉

  • Man muss sich auf den Track konzentrieren, mal intensiver z.B. auf Waldwegen im Dunkeln, mal weniger.
  • Man stellt ständig Rechenaufgaben an, wie weit komme ich heute, wann könnte ich zurück sein, wo mache ich die nächste Pause?
  • Man macht sich Gedanken über die Logistik, was habe ich noch an Vorräten, wie viel Wasser habe ich noch, wo bekomme ich noch was bevor alles zu macht?
  • Wie fühlt sich das Rad an, macht es irgendwelche komischen Geräusche?
  • Welche Signale sendet mein Körper, kündigt sich irgendwo ein Problem an?
  • Oder man genießt einfach die Landschaft und genießt mal über nicht viel nachdenken zu müssen.

Kopfhörer hatte ich dabei, Musik und viele Podcasts auf dem Smartphone, ich habe sie nicht einmal benutzt.

Wie hast du dich ernährt?

Bäcker, Tankstelle, Döner-Imbiss, Tankstelle: so war die Reihenfolge fast jeden Tag. Tankstellen sind zwar etwas teurer haben gegenüber Supermärkten aber einige Vorteile:

  • das Rad bleibt in Sichtweite
  • es gibt eine Toilette mit Waschmöglichkeit und Leitungswasser zum Flaschen auffüllen
  • die Getränke sind gekühlt

Aral hat das beste und abwechslungsreichste Sortiment.

In vielen Dörfern gibt es oft keinen Landgasthof mehr aber einen Döner-Imbiss mit einer reichhaltigen Speisekarte, oft gibt es neben Döner und Dürüm auch Pizza, Burger, etc. Zudem muss man auf sein Essen nicht lange warten, und eine freie Steckdose findet sich neben den Glücksspielautomaten auch fast immer. Trotzdem war ich zweimal auch in einem ordentlichen Restaurant / Biergarten.

Die Sweet16 als InfoWheel

Ausrüstung

Rad

  • Corratec CCT Crosser
  • Reifen Continental SpeedKing 35mm
  • SON Nabendynamo
  • Supernova Frontlicht E3 Pro 2
  • Cinq Plug5 Plus
  • Lupine Rotlicht Max
  • Schutzbleche
  • Auflieger
  • SaddleBag-Stabilizer

Taschen

  • Apidura (Sattel 17l, Lenker 9l, Rahmen 5l, Oberrohr 1l, Food Pouch 0,8l)

Packliste

  • Schlafsack Mountain Equipment Helium 250 (680 g)
  • Isomatte Thermarest NeoAir XLite (340 g, 6 cm)
  • Kleidung:
    • Rapha Cargo-Bibs
    • Rapha Proteam-Bibs
    • 3x Kurzarm Trikot
    • Armlinge / Knielinge
    • Giro REV Schuh 2020
    • 2x Baselayer kurz
    • 1x Handschuhe
    • 2x Paare Merino-Socken
    • Regenjacke
    • Regenhose
    • Überschuhe
    • GripGrab CyclinGaiter
    • 2x Cap
    • 1x Buff
  • Werkzeug / Ersatzteile:
    • Multitool mit Kettennieter
    • Leatherman
    • Luftpumpe
    • Ventiladapter
    • Ersatzventil
    • 2x Reifenheber
    • 1x Ersatzschlauch
    • Mantelstücke
    • Flickzeug
    • 2x Bremsbeläge
    • 6 Kettenglieder & Kettenschloss
    • Kettenöl
    • Kabelbinder
    • Gummiringe
    • Klettbänder
  • Elektronik:
    • Powerbar
    • Stirnlampe
    • Diverse USB Kabel (C, Micro, Mini)
    • USB Charger für 220V
    • Navi Wahoo Elemnt
    • GPS Tracker FollowMyChallenge
    • Mobiltelefon
    • Kopfhörer
  • Sonstiges:
    • Turnbeutel
    • Feuchttücher
    • Zahnbürste, Zahnpasta, Wundsalbe, Schmerztabletten, Sonnencreme, Augentropfen
    • Sitzcreme
    • Brillenputztuch
    • 4x Trinkflasche (zusammen 2,5l)
    • kleines Drahtschloss

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